Meteorologische Beobachtungsstation - Wetterstation

Pfälzischer Kurier 1916.

Ab hier der eingesprochene Text aus dem Pfälzischen Kurier 1916 - Die Kalmit als meteorlogische Beobachtungsstation:

“Die Errichtung einer meteorologischen Beobachtungsstation auf der Kalmit wird nun zur Tatsache. Schon seit 12 Jahren war das Hauptvorstandsmitglied des Pfälzer Waldvereins, Herr Heinrich Kohl, bemüht, Gelehrte auf das Projekt hinzuweisen. Exzellenz Geh.=Rat v. Neumayer hat sich für diese Idee so sehr begeistert, daß er versprach, einen Seismographen zur Erdbebenbeobachtung zu stiften. Leider ist er an dem Tage, an welchem er die Kalmit zu diesem Zweck besuchen wollte, gestorben. Weiter hat Professor Rudolph von der Erdbebenzentralstation in Straßburg gelegentlich einer Besichtigung diesen Berg als für seismographische und meteorologische Beobachtungen vorzüglich geeignet befunden. Greifbare Gestalt hat die Sache angenommen mit dem umfangreichen Gutachten, welches kürzlich der Vertreter der meteorologischen Zentralstation in München, Herr Dr. E. Alt, über die Vorteiler einer ständigen meteorologischen Beobachtungsstation auf der Kalmit sowohl für die Wissenschaft, als auch für die Praxis, ausgearbeitet hat. Er sagt darin u.a.: Die Kalmit ist nicht nur die höchste Erhebung der Haardt, sondern nimmt durch den steilen Anstieg aus der Rheinebene eine für meteorologische Beobachtungen besonders günstige Lage ein. Die Kalmit verhält sich ähnlich wie die Zugspitze, die ja auch als höchste Erhebung in weiter Umgebung ziemlich unvermittelt vom Alpenvorland in die Höhe strebt und dadurch, wie nachgewiesen ist, viel mehr die meteorologischen Verhältnisse der freien Atmosphäre wiedergibt, als ein inmitten eines Gebirgslandes gelegener Gipfelpunkt. Dabei beträgt die relative Höhe des Kalmitgipfels, bezogen auf das mittlere Niveau der Rheinebene, mehr als 550 Meter Höhe, während beispielsweise die relative Höhe des als idealer Beobachtungspunkt bekannten Hohenpeißenberg gegen Weilheim nur etwa 400 Meter mißt. Vor allem wire es von höchstem Interesse sein, den Uebergang vom Klima der Westpfalz nach dem der fruchtbaren Rheinebene zu studieren. Das Klima der Westpfalz ist ja durch die vorherrschenden ozeanischen Westwinde bedingt, die dann dem topographischen Aufbau des Geländes folgend am Luv der Haardt emporsteigen, um schließlich in die Rheinebene herabzugelangen. Besonders die Dynamische Meteorologie wird eine Reihe höchst interessanter und sowohl für die Wetterkunde, wie für die Klimatologie hochwichtige Fragen des Pfälzer Landes beantworten können, wenn auf dem Gipfel der Kalmit systematische Beobachtungen über Windrichtung und Windstärke angestellt werden. Selbstverständlich sind die meteorologischen Daten des Kalmitgipfels auch für die Luftschiffahrt von hohem Interesse: insbesondere erwähne ich in dieser Hinsicht die geradezu ideale Lage der Kalmit als Gewitterbeobachtungs- und Warnungsstelle. Die Lage der Kalmit scheint mir auch besonders geeignet, aus meteorologischen Beobachtungen Schlüsse auf die typischen Eigenschaften des Klimas der Pfälzer Rheinebene, einer vorzüglichen Kulturgegenden ganz Deutschlandes, folgern zu lassen. nach dieser Richtung wird das Studium der vertikalen Temperaturverteilung zu den einzelnen Jahreszeiten zu den ersten Aufgaben der berufenen Fachkriese gehören. Wenn es noch gelingen sollte, im Laufe der Zeit auf etwa halber Höhe zwischen Maikammer und dem Kalmitgipfel einen Thermographen, der nur in bestimmten Zeitabschnitten zu bedienen wäre, aufzustellen, so könnte die Erforschung der vertikalen Temperaturverteilung mit einer nur sehr selten möglichen Gründlichkeit durchgeführt werden. Damit steht ja in engster Beziehung die Frage der Frostgefahr, die gerade für die an Hängen der Haardt in höchster Blüte stehende Weinkultur von größter Bedeutung ist. In gleichem Zusammenhang dürfen auch die auf dem Kalmitgipfel über Sonnenscheindauer, Bewölkung usw. anzustellenden Beobachtungen auf weitgehendes Interesse rechnen. Endlich ist noch auf die Wichtigkeit eines meteorologischen Observatoriums auf der Kalmit für die Wettervorhersage hingewiesen. Die Kalmit ist al ein nach Westen vorgeschobener Höhen-Posten zu betrachten, dessen Beobachtungen in den häufigen Fällen, in denen ein unser Wetter beeinflussendes Aktionszentrum von Westen gegen Zentraleuropa vordringt, von ausschlaggebender Bedeutung für die allgemeine, noch mehr aber für die lokale Wettervorhersage werden dürfte. Soweit das Gutachten einer maßgebenden Autorität. Der Pfälzerwaldverein betrachtet die Lösung dieser Aufgabe in der an wissenschaftlichen Stellen ohnedies armen Pfalz als eine nationale Tat und er setzt seinen Stolz darein, trotz der aus der Kriegszeit resultierenden finanziellen Schwierigkeiten sie gerade jetzt zu lösen. Das Projekt ist bereits so weit gediehen, daß die Station in nächster Zeit ihrer Bestimmung übergeben werden kann. Die Instrumentenhäuschen dürften bereits von München nach der Pfalz unterwegs sein.”

Zum QR-Code auf dem gleichen Schild (Text-Datei)

Literatur

N.N. (Redaktion). (1916): Die Kalmit als meteorologische Beobachtungsstation. Aus der Rheinpfalz. In: Pfälzischer Kurier / Die Pfalz, (Hg.) Seite_1916-Oktober-04-Mi
Tschirner, Adolf (Samstag, 15. Juni): Ein Wingert in 670 m Höhe. Besuch im pflanzenklimatischen Versuchsgarten auf der Kalmit. Interessante Beobachtungen. In: Pfälzischer Kurier - Die Pfalz 1935, Samstag, 15. Juni (Nr. 24).

Quellen

Aufbewahrung der Zeitung: Landesbibliothek Speyer / Z 20, eingesehen am 29. April 2025
« Karten zum Klima der Pfalz Wetterstation im Turm »